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Seetor - Ehem. Befestigungsmauer, Dresden, 2003 Drucken

Projektvorschlag in Rahmen einer Ausschreibung, Digitale Virtualisierung.

 

Konzept:

Diese Arbeiten sollten auf der Achse der ehemaligen Befestigungsmauer von Dresden, an den mittelalterlichen Eingang der Stadt, das sogenannte Seetor platziert werden.

 

Der Ausgangspunkt dieser Arbeit ist eine traditionelle Skulptur aus Dresden, eine Darstellung vom Schutzengel. Diese Figur soll in 3D eingescannt und dann auf ihre horizontale Achse verlängert werden. So soll die Skulptur von der Frontseite ein zur Wand verzerrtes Objekt (ca. 5-8 m lang) sein und wie eine durchtrennte Mauer aussehen. Von der Seite gesehen bleibt sie ein Schutzengel. Für den Werkstoff sollte das Originalmaterial oder ein ähnlicher Stoff genommen werden.

 

Dieser Vorschlag beschäftigt sich mit zwei Begriffen; Trennung und Verlängerung, die sich als ein Paar dynamisch zueinander verhalten. Beide Visualisierungen beziehen sich aufeinander und gehören derselben Konzeption an.

 

a. Trennung ist oft die Grenze oder eine Wand, bedeutet aber auch eine Situation zu verlassen und in eine neue überzugehen, durch den Schnitt einen längeren Zustand zu beenden. Dazu sind Durchgänge, Türen oder Portale da, ähnliche Begriffe, die alle dieselbe Stelle markieren, wo diese Sphären oder Welten miteinander kommunizieren oder nicht kommunizieren dürfen. Diese Schleusen, wo die Kommunikation eine symbolische Bedeutung bekommt, können feierliche Machtbehauptung symbolisieren (Schlosstor), Spiritualität vermitteln (Kirchenaltar), existenzielle Katastrophe bedeuten (Herzklappe) oder die naive Grenzenlosigkeit der Kommunikation behaupten (Internetportale). Sie sind meistens mit zwei vertikalen Säulen symbolisiert.

 

b. Verlängerung zielt sich darauf ab die gegebene Situation festzuhalten, zu konservieren, die Zeit zu verlängern oder (was gleichkommt) den Zeitfaktor aus den Geschehnissen auszuschalten; sie nicht zu erleben. Die Wände, die horizontale Verlängerung von Säulen geben uns diese Sicherheit. Das verlangt aber nach einem abgeschlossenen System was wiederum vom Gesetz der Entropie bestimmt ist. Das Reich der Bewegungslosigkeit ist aber vom Lebendigen nicht erwünscht und es versucht entgegenzuwirken. Indem es sich aus diesem Zustand, durch eine Trennung (Tür) in einen Neuen bewegt, begibt es sich in eine andere Situation, was Veränderung mitbringt. Dadurch wird die Flut der Ereignisse verlängert.

 

Meine künstlerische Intervention soll kein Denkmal werden, da die Denkmäler an ihrer Aufgabe immer scheitern, weil sie nur wirken, solange man sich ohnehin des jeweils Erinnerten entsinnt. Statt an die Geschichte zu denken, sollte die Platzgestaltung an uns denken. Der Eingriff sollte möglichst bescheiden bleiben, sich in die Stadtarchitektur und den geschichtlich-räumlicher Kontext einfügen aber auch provozieren und uns zu Kontemplation verhelfen. So könnte der Platz vielleicht seine eigene, neue Geschichte entstehen lassen und ein Ort der künstlerischen Auseinandersetzung werden.